


Pseudowissenschaften sind ein Phänomen für sich.
Meiner Beobachtung nach entstehen sie immer dann, wenn man versucht schwer griffige Sachverhalte auf eine akademischen Ebene zu heben ohne dass eine Basis für Diskutierbarkeit geschaffen wurde oder schaffbar ist.
Ich habe beim Aufräumen meines Zimmers einen Kurzaufsatz gefunden, den ich im Rahmen des schulischen Religionsunterrichtes als Hausaufgabe über den Text “Kann man Auschwitz Gott anlasten?” aus “Die Hiobsfrage ist immer noch virulent” von Ursula Homann verfasst habe.
In dem Text “Kann man Auschwitz Gott anlasten?” aus “Die Hiobsfrage ist immer noch virulent” demonstriert Ursula Homann eindrucksvoll, wie sich Autoren auf der Vergeblichen Suche nach den richtigen Fragen in belanglose Bagatellen verstricken.
“Virulenz bezeichnet die Wirksamkeit, z.B. einer Idee oder einer sozialen Bewegung.” (Wikipedia)
Die Autorin sucht also nach der Wirkung Hiobs. Dabei gibt sie sich weltverbesslerisch indem sie gezielt nach einer christlichen Erklärung für das Grauen Auschwitzs sucht.
Es scheint aber, als habe sie sich dabei nicht die zentrale Frage gestellt, die für jeden Autor den Anfang seiner Recherchen markieren sollte: “Was ist eigentlich unser Problem?”. Statt dessen gibt es Zitate und Dogmen aus der Dose.
Is’ ja kein Problem - wenn mein Text nicht zur Gesellschaft passt, muss ich mir halt den Leser dem Text anpassen.
So drückt uns Homann äußerst “virulente” Fragen wie “War Hiob Jude?”, “Wie geht Hiob mit Leiden um?”, “Ist Leiden ein Einwand gegen Gott?” oder “Muss man Morde und Massentötungen Gott anlasten?” auf die Stirn.
Nachdem sich der Leser nun durch den scheinbar alles auflösenden Text gekämpft hat, ereilen ihn gleich 4 Erkenntnisse:
- Ich bin nicht schlauer als vorher.
- Die Welt ist nicht besser als vorher.
- Wir wissen immer noch nicht, was wir überhaupt wissen wollten.
- Ich bräuchte dringend einen neuen Kaffee; wo sind eigentlich meine Socken; kann mal einer den Papierkram hier entsorgen? Mensch, schon wieder Montag (wir sagen alle brav “Amen” und “Danke”)
Bitte bitte, liebe Theologen: Ihr verwechselt da etwas! Religion ist etwas was für Menschen da sein soll, ihnen Halt geben soll in schwierigen Zeiten, ihnen eine soziale Plattform bieten soll. Wenn ihr versucht dies auf eine akademische Ebene zu heben verstrickt ihr euch doch nur in Widersprüchen und helft niemandem damit auch nur einen Meter weiter!
Der Beitrag wurde am Samstag, den 6. Oktober 2007 um 16:11 Uhr veröffentlicht und wurde unter Gesellschaft & Politik, Schule abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.Es heißt “Widersprüche”. ![]()
Bei wem hatteste Religion?
Danke für den Hinweis. Ich nenne aber keine Namen.
Nur soviel: im schulischen Bereich durfte ich auch guten Reli-Unterricht kennenlernen. Ich habe dabei aber festgestellt, dass akademisierung dieses Themas und Qualität des Unterrichts zueinander in einem umgekehrten Verhältnis stehen.