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… voll der Kommerz, ey!

Der Mittwochmorgen ist bei mir traditionell ein Wochentiefpunkt. Meine persönliche Strategie gegen die motivationshemmende Energiemangel:

  • Maximierung des Kaffee-Konsums
  • Steigerung der Oxygeniumkonzentration im Blut durch Beanspruchung der Fahrradpedale statt diverser motorisierter Vehikel.
  • Bekämpfung der temporären Unlust durch rockige Musik auf den Ohren.

Nun erreiche ich also in einem durch Koffein, Sauerstoff und Adrenalin ausgelösten rauschähnlichen Zustand den Zielort, stelle mein Fahrrad ab und entferne mich dann vom Fahrradständer - mit dem Kopf zur Musik nickend. Unterwegs kommt mir der lokale Quotenpunk entgegen:

“Ey, wat hörste?”
Ska-P läuft grad, … voll geil!”
Ska-P? Die sind doch mal übelst Kommerz geworden!”.

Ratlos blicke ich ihm nach bis seine Converse-Schuhe und sein Nietengürtel hinter einer Ecke verschwunden sind.

“… voll der Kommerz, ey!” - was genau will einem ein Mensch damit sagen? Nüchtern betrachtet ließe sich ‘Kommerz’ wohl am besten definieren als “Aufgabe der eigenen Individualität zugunsten eines hohen Markterfolges”. Also der Frevel, sich als linker dem kapitalistischen System zu beugen.

Der Quotenpunk

Aber mal ehrlich: Ich glaub nicht dass es sich bei dieser verurteilenden Phrase um ein Bekenntnis zum antikapitalismus handelt. Viel mehr will der Sender der Botschaft eins: dicke Eier demonstrieren.

Markant ist der oft auf “… die sind voll Kommerz geworden!” folgende Satz: “Die alten Tracks, die waren noch geil!”. Hier liegt die eigentliche Intention verborgen: Durch die Aussage, er habe die soeben kritisierte Band schon vor ihrem komerziellen Erfolg gut gekannt, grenzt sich der Sprecher vom allgemeinen Pöbel ab und demonstriert seine Überlegenheit. Letztlich hat dieser Satz also den selben Hintergrund wie das “Früher hätte es soetwas nicht gegeben!”, was ihr vielleicht von euren Großeltern kennt: Eine reine Zurschaustellung der eigenen superioren Stellung.

Gut gelaunt setze ich meinen Weg fort. Mir wurde zwar gerade ein chiffriertes “Ich bin etwas besseres als du!” an den Kopf geworfen, aber was solls: Dafür habe ich einmal wieder erfolgreich mein Wochentief bekämpft. Auch ohne die alten Zeiten zu kennen.

Der Beitrag wurde am Freitag, den 30. März 2007 um 13:05 Uhr veröffentlicht und wurde unter Gesellschaft & Politik, Alltag, Musik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten. Einen Kommentar schreiben

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