


Das Leben ist ein Kreislauf. In der ersten Klasse der Grundschule gehört man zu den Kleinen - schon drei Jahre später ist man Chef auf dem Pausenhof. Doch kaum an die neue Überlegenheit gewöhnt ist man schon in Klasse 5 und man gehört wieder zu den “nervigen kleinen Blagen”.
Wir, die wir jetzt in der Stufe 13 sind, stehen kurz vor einen neuen Runde im Rad des Lebens. Im Gegensatz zu der Entwicklung, die wir als Kind in der Grundschule durchgemacht haben, hat sich in den letzten acht bis neun Jahren jedoch einiges mehr verändert. Wir haben die Pubertät überwunden (zumindest die meisten von uns…) und sind erwachsen geworden (zumindest formell).
Diese Entwicklung geht fließend vonstatten und wird oft nicht bemerkt; jetzt jedoch - fast am Ende der Schullaufbahn angekommen - kann man zurückblickend einen deutlichen Unterschied zwischen dem damaligen Aufschauen zum autoritären Lehrpersonal, der zwischenzeitlichen antiautoritären Trotzphase der Mittelstufe und dem heutigen Kontakt, welcher fast auf gleicher Augenhöhe stattfindet, feststellen. Die meisten Lehrer haben nichts überlegenes, erhabenes oder furchteregendes mehr. Sie sind Menschen wie du und ich. Was zählt ist nur: “Kann er mich auf das Schreckgespenst Zentralabitur vorbereiten oder nicht?”
Dieser Umgang miteinander auf einer Ebene hat sicher seine Vorteile - so wird etwa der Unterricht interessanter und entspannter. Aber die Kehrseite der Medaille wiegt umso schwerer: Nicht nur die Autoritätsdifferenz zwischen Lehrern und Schülern hat abgenommen, auch der Kompetenzvorsprung der Fachpädagogen ist oftmals kaum mehr wahrnehmbar. So können Themenfelder aus mangelnder Fachkompetenz nicht in ihrer Gänze behandelt werden, auf Nachfragen wird nicht souverän reagiert und in vielen Fächern bleibt die Bewertung der Schülerleistung rein subjektiv und somit der Willkür des Lehrkörpers überlassen.
Ich will auf keinen Fall pauschalisieren - es gibt sicherlich genügend positive Gegenbeispiele - und sicherlich bleibt auch grundsätzlich ein kleiner Kompetenzvorsprung vorhanden. Immerhin hat der Unterrichtende erfolgreich ein Studium in seinem Fach absolviert. Dennoch kann man immer öfter beobachten auf welch dünnen Eisflächen der eine oder andere Lehrer sich bewegt. Diese Feststellung hat Folgen: Wie kann es zum Beispiel sein, dass ein Lehrer mit unzureichender Fachkompetenz dennoch die Bewertungskompetenz besitzt und im Extremfall über die Zukunft eines Schülers entscheiden kann?
Der Appell, welcher sich hinter dieser Frage verbirgt ist keinesfalls “bildet unser Lehrpersonal besser aus!” - kein Mensch kann alles wissen, gerade Berufsanfänger müssen noch Erfahrung sammeln und nicht zuletzt liegt es ja auch ein wenig in der Eigenverantwortung jedes Schülers, offene Fragen zu klären und sich wichtige Inhalte anzueignen. Nein, mein Wunsch an das deutsche Schulsystem ist: “Entzieht den (Oberstufen-)Lehrern die Bewertungskompetenz!”
Erste Ansätze wie eine andersartige Bewertung stattfinden kann gibt es ja bereits: Als der erste Jahrgang kommen wir in den Genuss, zentrale Abiturprüfungen schreiben zu können. Auch wenn hier organisatorisch einiges suboptimal läuft ist die Tendenz doch richtig. Ergänzen könnte man zu diesem Bewertungssystem etwa auch zentral ausgeschriebene und beurteilte Projektarbeiten.
Auf diese Weise würde es leichter Fallen, den Pädagogen nicht als Richter, sondern als Helfer zu sehen und es wäre gewährleistet, dass auch bei fachlichen Unsicherheiten auf Seiten des Lehrers, die Bewertung des Schülers verhältnismäßig objektiv bleibt.
Der Beitrag wurde am Montag, den 18. Dezember 2006 um 22:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter Alltag, Schule abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.im grunde genommen, hast du recht: die Bewertung einzelner Lehrer fällt zu häufig ungerecht aus. aber bist du dir sicher, dass das zentralabitur abhilfe schaffen kann? auch hier in Hessen wurde das Zentralabitur für den Jahrgang 07 eingeführt. ist man nicht gerade dadurch ungerechtigkeiten ausgesetzt? wie kann es z.B. sein, dass ein Lateiner der 5.Klasse das gleiche Abitur schreibt, wie ein Lateiner der 9.Klasse?
Hey Daniel, irgendwie, irgendwo muss ich es loswerden…auf irgendeinem weg, jedoch nicht zu jeder zeit. frohes fest
und da ich erst heute den blog entdecken durfe -> mach weiter so!!!
Hey Sabine, hey Dennis
Auch euch frohe Weihnachten
@Bine: Ich denke schon, dass das Zentralabitur der richtige Weg ist. Wir hier in NRW haben nun das zweifelhafte Glück Vorreiter zu sein - da ist natürlich Chaos vorprogrammiert was natürlich auch zu Ungerechtigkeiten führen kann.
Aber deine Anmerkung mit dem Lateiner ist ja (abgesehen davon, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie man Latein im Abi haben kann
) letztlich eine Frage der Organisation.
Viel wichtiger als die Tatsache, dass die Bewertung zentral stattfindet finde ich jedoch die Tatsache, dass derjenige der uns den Stoff vermittelt immer weniger derjenige mit der Bewertungskompetenz ist und somit eher als “Freund und Helfer” gesehen werden kann.
Liebe Grüße,
Daniel
Hallo Daniel,
ich stimme dir vollkommen zu wenn du sagst, dass die Lehrer nicht als “Richter” gesehen werden sollten, sondern als Helfer.
Es ist unmöglich von einem Lehrer zu verlangen, dass ER dafür verantwortlich ist, dass WIR unser Abitur schaffen.
Das Problem sind nicht die Lehrer, sondern die Schüler, welche mit ihrer oft ignornaten bis naiven Art von einem Lehrer verlangen, dass er sie auf ihr Abitur vorbereitet und dass ein gutes Abschneiden in den Prüfungen von der jeweiligen Kompetenz des Fachlehrers abhängt.
Was verändert werden muss ist das Denken und Handeln der Schüler.
“Jeder ist sein eigen Glückes Schmied” - so lautet ein altes Deutsches Sprichwort.
Wenn wir Schüler begreifen würden, dass nicht der Lehrer für unsere schulischen Ergebnisse verantwortlich ist, sondern allein wir selbst und dass die Lehrkraft lediglich eine Beratungshilfe darstellt, dann würden sich auch mit dieser neuen Attitüde viele Ergebnisse sogenannter “schlechter Schüler” oder “benachteiligter Schüler” (diese Selbstbetitelung sagt wohl alles) in der Schule ändern.
Wie vielleicht vielen schon aufgefallen sein dürfte, besitzen wir (in den meisten Fächern) Lehrbücher.
Haben wir jetzt z.B. Geschichte bei einem Lehrer, der unseres Erachtens die Unfähigkeit besitzt Stoff zu vermitteln, sehen wir, dass wir mit dem Stoff weit zurückliegen.
Der ignornate “Ottonormalschüler” würde nun sagen: “Oh Gott. wir liegen inhaltlich weit im Vergleich zu unserem Parallelkurs zurück. Wie sollen wir nur unser Znetralabi schaffen bei so einem Lehrer der anscheinend nicht fähig dazu ist, innerhalb eines bestimmten Zeitraums uns auf die Zentralprüfungen vorzubereiten?”
So ein Gedankengang ist sicherlich vertändlich und nachvollziehbar und der eine oder andere mag sicher auch gerade von seinem Stuhl aufgesprungen sein und geschriehen haben “das geht mir genauso”, aber seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst:
Können wir nichts dagegen tun, dass wir uns z.B. inhaltlich in Geschichte erst im Jahre 1949 befinden, obwohl wir uns eigentlich schon mit dem Fall der wohl zweitberühmtesten Mauer der Welt beschäftigen sollten?
….?????????????????????
Also bitte, wer hindert einen denn mal ein paar Seiten im Buch weiter zu lesen oder auch nur zu blättern??
Auch wenn man im Unterricht erst auf Seite 333 ist. Wieso sollte man nicht weiterlesen dürfen?
Wer das Gefühl hat schlecht auf sein Abitur vorberitet zu sein, der sei ja immer noch in der Lage sich andersweitig zu erkundigen, sofern er denkt, dass ihm seine Materialen nicht weiterhelfen.
Man kann mehr mit dem Internet machen als Pornos oder Musik laden, sich lustige Videos bei Youtube reinziehen oder sinnlose Kommentare in den Blog eines Stufenkollegen zu schreiben um seine Zeit zu vertreiben und womöglich auch zu verdrängen, dass es sicherlich einige Sachen zu tun gäbe, welche sicherlich sinnvoller wären und auch für das Zentralabitur hilfreich wären.
In diesem Sinne:
Falls ich nicht lerne, liegt dies nicht an mir, sondern am Lehrer (Achtung: Sarkasmus).
Bisdietage
euer Lirk Depping
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